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Artikel im PEGASUS PFERDEMAGAZIN AUSGABE SCHWEIZ; Mai 07
Sich mit Freude und Verstand auf das Pferd einlassen
Bettina Schürer will ihre Kursteilnehmer befähigen, von ihrem Pferd zu lernen
Vom 30. März bis 1. April 2007 fand auf dem Hof Klingler Mühle im thurgauischen Märstetten ein Intensiv-Reitkurs mit Bettina Schürer statt. Die Begründerin des «dressurmässigen Freizeitreitens am losen Zügel» sowie des «longenunabhängigen Longierens» lernte unter anderen bei Sadko G. Solinski, Jean-Claude Dysli und Luis Valenca.
Aacho, aacho, aacho» tönt es ruhig aus der Reithalle Klingler Mühle in Märstetten, wo Bettina Schürer gerade dabei ist, eine Kursteilnehmerin zu unterrichten. Mit diesen Worten unterstützt die erfahrene Reitlehrerin ihre Schülerin dabei, der
Pferdebewegung zur Stützbeinphase hinzuspüren, um diese zu verlängern.
Immer wieder erinnert sie die Reiterin bei verschiedenen Lektionen wie Schulterherein, Zirkelverkleinern oder Tempowechsel, die Beine weich an den Pferdekörper anzuschmiegen
und fliessend einzusetzen.
So macht sie die Kursteilnehmer auf ungewollte
Spannungen in ihrem Körper aufmerksam und unterstützt sie dabei, diese zu lösen. Dazu setzt Bettina Schürer gerne Vorstellungsbilder ein, wie etwa, dass die Beine des Reiters sich als Teil des
Pferderumpfes anfühlen sollen oder dass die Führung zwischen den Schenkeln nicht mit den Muskeln, sondern mit den Knochen gegeben werden sollen.
Mit grosser Geduld korrigiert Bettina Schürer
eingefahrene fehlerhafte Haltungsmuster, bis die neuen Bewegungsmuster sich eingeprägt haben. Ihrem erfahrenen Blick entgeht kein angespannter Oberschenkel und keine noch so gering rückwärts einwirkende Zügelhilfe.
Die gebürtige Schweizerin, die seit bald 25 Jahren auf dem Reckeroder Hof in Nordhessen Pferde
und Menschen ausbildet, gibt im Unterricht jedoch nur wenige mechanische Anweisungen. Vielmehr will sie die Kursteilnehmer befähigen, von ihrem Pferd zu lernen und die Aufgaben dessen Bedürfnissen anzupassen. Für den Reiter bedeutet das, Erwartungshaltungen abzulegen und dem Pferd offen und ohne Leistungsdruck zu begegnen. Die Forderung nach Zwanglosigkeit und das konsequente Reiten von hinten nach vorne zeigen sich für den Zuschauer besonders deutlich an der frei gewählten Kopf- und Halshaltung der Pferde. Die aktiven reiterlichen Hilfen beschränken sich auf Sitz-, Gewichts- und Schenkelhilfen. Sie werden stets in Einklang mit der Pferdebewegung angewendet und zwar nur dann, wenn eine Veränderung der Haltung und Bewegung des Pferdes erreicht werden soll. Die äussere Zügelhand wird nur passiv anpassend, verwahrend und begrenzend eingesetzt.
Der innere Zügel weist stets in die Bewegungsrichtung und darf niemals bremsend wirken. Entsprechend beschränkt sich Anlehnung bei Bettina Schürer nicht auf den Kontakt zwischen Pferdemaul und Zügelhand. Sie besteht in erster Linie in der vertrauensvollen körperlichen und psychischen Anlehnung des Pferdes an den Reitersitz, wodurch Reiter und Pferd zu einer Einheit verschmelzen sollen.
Beobachten lernen und Klarheit schaffen
Bei Bettina Schürers Kursen hat sich eingebürgert, dass immer jeweils einer oder zwei reiten und sich die anderen in genauen Beobachtungen der Pferde und Reiter üben. Diese Beobachtungsschulung hilft
den Schülern, die Zusammenhänge zwischen Sitz und Einwirkung des Reiters und der Bewegungsmanier des Pferdes aus der Aussenperspektive beurteilen zu lernen. Manchmal lässt Bettina Schürer deshalb ihre Schüler sich in Kursen gegenseitig unterrichten, was zu wertvollen Lernerfolgen und einer Verbesserung des Beobachtungsvermögens führt.
Eine Besonderheit an Bettina Schürers Intensivkursen ist – neben Einzellektionen
– das Angebot, dass sie die Kurspferde selber reitet. Zum einen erhalten die Kursteilnehmer dadurch ein noch plastischeres Bild davon, was Bettina Schürer ihnen im Unterricht vermitteln möchte und können beobachten, wie ihr Pferd unter einer erfahrenen Reiterin geht. Zum anderen bekommen sie von der Ausbildnerin dadurch ihre Einschätzung der Bewegungen des Pferdes und ihre Einwirkungen darauf rückgemeldet.
Der Schimmelwallach eines Kursteilnehmers etwa macht sich auf der rechten Hand fest im Rumpf und nimmt die Schenkelhilfen nicht an. Die Kursleiterin begegnet dem harten Rumpf des Pferdes aber nicht mit Gegendruck, sondern bleibt durchwegs weich am Bein und im Körper und bietet dem Pferd den Schenkel immer wieder an. Hierfür variiert sie die Einwirkung so lange, bis das Pferd sie annehmen kann, nachgibt und sich löst. So bleibt sie auch mal während einer ganzen Lektion beim Thema Annehmen des Innenschenkels, bis das Pferd loslässt und eine korrekt gebogene Haltung einnehmen kann.
Weil sie dem Pferd nichts aufzwingt, gelingt es ihr, den zu verspannten Tritten und explosiven Reaktionen neigenden Wallach ruhig und bereit zur Mitarbeit zu halten.
Sich mit Freude auf das Pferd einlassen
In Bettina Schürers Kursen sind Reiter und Pferde jeden Ausbildungsstandes willkommen.
Wer aber in kurzer Zeit spektakuläre Lektionen erlernen möchte, ist bei ihr fehl am Platz. Sie vermittelt aus Überzeugung keine Rezepte zum schnellen Erfolg, sondern erwartet von ihren Schülern Zeit, Geduld und Freude am Wesen des Pferdes.
Menschen, die sich über ihr Pferd beklagen, weil es nicht wunschgemäss «funktioniert», stossen bei der Pferdekennerin auf wenig Verständnis.
Einer ihrer Leitsätze ist: «Wenn sich schon der Reiter quält, wie mag es dann dem Pferd dabei gehen? Schliesslich wollen wir etwas vom Pferd
und nicht umgekehrt!»
Die Konsequenz, mit der Bettina Schürer ihren Weg der Zwanglosigkeit verfolgt, ist aussergewöhnlich. Wer jedoch bereit ist, an seinen Blockaden zu arbeiten, gewohnte Pfade zu verlassen und sich ganz auf das einzulassen, was ihm sein Pferd mitteilt, kann in Bettina Schürers Unterricht wahre Sternstunden der Leichtigkeit und Harmonie erleben.
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